Neuer Glanz für alte Meisterstücke

Die Winterlinger Theaterknirpse zeigten Ausschnitte aus dem „Lied von der Glocke“ und „Der Handschuh“ . Evelin Nolle-Rieder gab dem edlen Fräulein Kunigunde, die von ihrem Ritter einen Liebesbeweis forderte, ein Gesicht. Pfiffig nahm Ritter Delorges mit kecker Hand den Handschuh aus der Ungeheuer Mitte.

Die Winterlinger Theaterknirpse zeigten Ausschnitte aus dem „Lied von der Glocke“ und Winterlingen, 12.12.2016 – „Der Handschuh“ . Evelin Nolle-Rieder gab dem edlen Fräulein Kunigunde, die von ihrem Ritter einen Liebesbeweis forderte, ein Gesicht. Pfiffig nahm Ritter Delorges mit kecker Hand den Handschuh aus der Ungeheuer Mitte. Foto: Ulrike Zimmermann

Nicht nur für Literaturkenner: Mit der Premiere „Alte Balladen – ge-flügelte Worte“ landete die Klein-kunstbühne K3 am Samstagabend einen Volltreffer.

von Ulrike Zimmermann
 

Über 200 Jahre sind nach dem Balladenjahr 1797 vergangen, in dem Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller ihre bekann-testen Werke im Wettstreit miteinander schrieben. Balladen stecken voller spannender Ge-schichten mit immer noch aktu-ellen Themen wie Mut und Ehre, Leidenschaft, Liebe und wahre Freundschaft. Nur wie finden die Menschen heute Zugang dazu?

Die Kleinkunstbühne K3 hat den Versuch gestartet, den alten Meisterstücken neuen Glanz einzuhauchen. Gemeinsam gingen elf Theaterknirpse mit Klaus Volk, Eleonora Cuirar und Evelin Nolle-Rieder auf eine fesselnde Reise in die Literaturgeschichte. Für die musikalische Umrahmung sorgte Sarah Schiebel aus Winterlingen am Klavier.

Nicht nur Goethe und Schiller widmeten sich dieser literarischen Gattung voller alltäglicher Begebenheiten und großer Heldentaten. Auch der Tübinger Dichter Ludwig Uhland (1787 – 1862) hat uns noch jede Menge zu sagen, vor allem natürlich den Schwaben. Aus seiner Heldenballade „Der wackere Schwabe“, stammen die geflügelten Worte: „Der wackre Schwabe forcht‘ sich nit“. Die Literaturforscher sind sich bis heute nicht einig: Hat Uhland den Kreuzzug von Kaiser Friedrich Barbarossa, bei dem dieser ertrank, tatsächlich bitterernst genommen, oder hat er die grauslichen Geschehnisse satirisch-augenzwinkernd zu Gunsten aller wackren Schwaben überhöht?

Klaus Volk verwandelte sich in den wagemutigen Schwaben, der bei dem Kreuzzug 50 türkische Reiter in die Flucht schlägt, indem er einen von ihnen mit einem Säbelhieb in zwei Teile spaltet, er schlüpft in die Rolle des Tyrannen Dyonisius in Schillers „Die Bürgschaft“ oder taucht als mutiger Knappe in die Tiefen des Strudels bei „Der Taucher“.

Aber es ging auch witzig zu. In der Ballade „Der Reiter und der Bodensee“ von Gustavs Schwab überzeugte Eleonora Cuirar als entsetzte junge Frau, die dem einsamen Reiter erklärt, dass er gerade über den gefrorenen Bodensee geritten ist und dass es ein Wunder sei, dass er überlebt habe. Die Zwischenbemerkungen der Kinder riefen allgemeines Schmunzeln hervor. „Ja, mit Navi wäre das nicht passiert.“

Sichtlichen Spaß hatten die K3-Theaterknirpse bei ihren Aufführungen. Vergessen die vielen Proben und das Einstudieren der Texte. Eine Ballade zu lesen macht nur halb so viel Spaß, wie sie zu spielen. Mit roten Wangen und Lampenfieber verwandelten sie gemeinsam eifrig den Besen in Goethes „Zauberlehrling“ in einen Knecht, der Wasser holen muss. Am Anfang klappt alles wunderbar, dann aber hört der dumme Besen nicht auf und der Zauberlehrling droht zu ertrinken. „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los“. Mit Evelin Nolle-Rieder tauchten sie tief in die mystische Welt vom „Erlkönig“ ein. „Erlkönig“ oder doch lieber „König Erl“ von Heinz Erhardt, die witzige Variante auf acht Zeilen verkürzt? Der Schluss ist auf alle Fälle weniger grausam: „Erreicht den Hof mit Müh und Not, der Knabe lebt, das Pferd ist tot“. Und die schwäbische Variante brachte dann als Abschluss alle zum Lachen.

Kommentare sind geschlossen.

  • Mit freundlicher Unterstützung