Minimalismus mit Botschaft

Bei den Stadtpark-Stories im Winterlinger K3 erfährt man viel von den Sorgen und Hoffnungen der Menschen.

Winterlingen, 27.11.2017 – Bei den Stadtpark-Stories im Winterlinger K3 erfährt man viel von den Sorgen und Hoffnungen der Menschen. Foto: Vera Bender

Die Kleinkunstbühne K3 in Winterlingen feierte am Samstag-abend mit der Eigenproduktion „Stadtpark-Stories“ eine so unge-wöhnliche wie berührende und gelungene Premiere.

von Vera Bender

Die zahlreichen Besucher im K3 warteten am Samstagabend gespannt, was wohl auf der Bühne geboten werde. „Eigenpro-duktion“, „Mehrgenerationenstück“ – viel-leicht hatte man mit einem Theater gerechnet. Mit Dialogen, mit Interaktion, mit „Action“.

 

Doch es kam ganz anders. Die „Stadtpark-Stories“ waren wunderbar in Szene gesetzt. Das Bühnenbild ist auf ein absolutes Minimum reduziert. Und doch erkennt man schnell, dass dies ein Park sein soll. Eine Bank, ein paar andere Sitzgelegenheiten, ein Mülleimer, Blätter auf dem Boden. Auch bei Accessoires und Kostümen hat man sich auf das Wesentliche konzentriert. Mal symbolisiert das Kopftuch eine geflüchtete Frau, zwei Männer spielen Schach, eine Rentnerin schiebt den Rollator vor sich her, das Schulkind hat den Ranzen auf dem Rücken, der Geschäftsmann die Aktentasche unter dem Arm.

Menschen im Park

Es sind Menschen, welche die unterschiedlichsten Gruppen der Gesellschaft vertreten. Von der Obdachlosen bis zum Businessmann, vom Kind bis zum Rentner, von der Prostituierten bis zur jungen Familie. Sie alle kommen in den Park. Aber nicht gleichzeitig. Es ist eben ein ständiges Kommen und Gehen. Die eine sitzt länger, der andere verweilt etwas kürzer. In der Regel sind es Fremde. Nur hin und wieder grüßt sich jemand oder trifft auf einen Bekannten. Doch sie alle kommen mit ihren ganz eigenen Lebensgeschichten, mit ihren Sorgen und Nöten und ihren Hoffnungen und Träumen. Mal zu Tode betrübt, mal himmelhoch jauchzend und mal melancholisch. Und da die Menschen im Park nur selten miteinander in Kommunikation treten, gibt es auch keine klassischen Dialoge. Die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten wird dem Zuschauer auf ganz andere Weise näher gebracht: durch Songs.

Pianist Anton Roggenstein spielt im wahren Marathon auf dem Klavier eine bekannte Melodie nach der anderen. Da singt das Flüchtlingskind „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg. Die Obdachlose träumt mit dem Musical-Hit aus „Anatevka“ „Wenn ich einmal reich wär.“

Heimische Schauspieler

Der Straßenmusikant trällert „Heute hier morgen dort“ von Hannes Wader. Es ist eine bunte Gemeinschaft auf Zeit. Und keiner gleicht dem anderen. Dennoch gibt es immer wieder Songs, die alle gemeinsam anstimmen. „Irgendwo auf der Welt“ von den Comedian Harmonists ist solch ein Stück. Denn die Sehnsucht nach Glück ist allen zu Eigen – ob Jung oder Alt. Das Stück fesselt und macht nachdenklich. Es reißt mit und bleibt im Kopf. Immerhin wirken 17 Darsteller, teils in Mehrfachrollen, mit. Die Jüngste ist acht Jahre alt. Der Älteste ist 69. Sie kommen aus Winterlingen, Geislingen, Ofterdingen, Stetten oder Straßberg und sind dem Aufruf von K3-Chefin Evelin Nolle-Rieder gefolgt, bei diesem Mehrgenerationenstück mitzuwirken. Insofern haben auch sie sich mit individuellen Lebensläufen und Wünschen getroffen. So lange, wie das Stück in Winterlingen aufgeführt wird.

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