30.05.2017 Mit dem Körper Gefühle ausdrücken

Wenn auch nur gespielt: Die Schüler der Schauspielgruppe lassen ihrer Freude über einen baldigen Europapark-Besuch freien Lauf. von Matthias Zahner Foto: Schwarzwälder-Bote

Freudiges Kindergeschrei tönt aus einem Klassenzimmer der Harthausener Grundschule. Der Grund ist nicht etwa Hitzefrei oder Ferien. Die Schüler stellen sich gerade vor, dass sie bald in den Europapark dürfen.

 

 

Winterlingen-Harthausen. Das ist nur eine der Aufgaben, die die 14-köpfige Schauspielgruppe im Rahmen der Theater-Projekttage gestellt bekommt.

Als nächstes sollen die jungen Schauspieler sich ängstlich im Raum bewegen. Jeremy verschränkt seine Arme vor der Brust, setzt ganz behutsam einen Fuß vor den anderen. Sein Gesichtsausdruck vermittelt glaubhaft, dass gleich etwas Schlimmes passieren wird. „Wir wollen den Kindern zeigten, wie man mit dem Körper Gefühle ausdrücken kann“, sagt Catja Baumann. Die Regisseurin erarbeitet zusammen mit der Schauspielerin Evelin Nolle-Rieder, den Lehrerinnen sowie den Schülern ein Stationen-Theater zum Thema „Heimat und Fremde“ mit Bezug zur Harthausener Ortsgeschichte. Das Spezielle an diesem Projekt: Es gibt kein vorgefertigtes Drehbuch. Die Szenen sollen sich im Laufe der Woche entwickeln.

Diese führen die Kinder dann am Freitag, 2. Juni, ab 14 Uhr an vier oder fünf Standorten in Harthausen auf. Anfang- und Schlussbühne wird jeweils bei der Grundschule sein. Auch die Auswanderer-Mauer steht bereits als Schauspielort fest. „Von Harthausen gingen vor dem Zweiten Weltkrieg viele nach Amerika“, weiß Rektor Gottfried Wiehl. Im Vorfeld bereiteten die Lehrer ihre Schüler auf die Themen Heimat, Auswanderung und Flucht vor.

Ziel der Woche ist auch, Kindern beizubringen, vor andere hinzustehen

Auch die nächste Aufgabe für die Schauspielgruppe hat diese Intention. Bei einer modifizierten Version von „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ sollen sich die Schüler zunächst ihr Zimmer vorstellen und anschließend pantomimisch das einpacken, was sie für eine Nacht zu ihrer Oma mitnehmen würden. Daniel steht auf die Zehenspitzen und streckt einen Arm nach oben, um aus seinem Schrank oder Regel etwas zu holen. Nachdem die Kinder ihren Koffer für einen einwöchigen Urlaub auf Mallorca gepackt haben, geht es für sie und einen Monat lang in die USA. Nun haben die ABC-Schützen alle Hände voll zu tun und packen hurtig alles Notwendige ein.

Zur gleichen Zeit beschäftigen sich die Gruppen Presse, Gesang, Kostüm, Musik und Bühnenbild mit ihren Gebieten. „Wir wollen den Kindern zeigen, dass Theater nicht nur Schauspiel ist, sondern auch andere Bereiche dazu gehören“, sagt Nolle-Rieder.

Die Schüler der Schauspielgruppe sind inzwischen dabei, ihr Gepäck zusammenzusuchen, um nach Brasilien auszuwandern. Und der Höhepunkt der Improvisationsübung: „Stellt Euch vor, es herrscht Krieg, und Ihr müsst in zwei Stunden Euer Land verlassen.“ „Wohin eigentlich“, fragt Lean. „Das wisst ihr nicht“, antwortet Nolle-Rieder. Wild fuchtelnd greifen die Kinder nach ihrem Hab und Gut. „Ihr habt nur noch eine Minute“, schreit Nolle-Rieder. Das versetzt die Schauspielgruppe endgültig in Panik.

„Wie war das Gefühl“, fragt die Schauspielerin nach der Übung. „Als ich den Koffer gepackt habe, um zu meiner Oma zu gehen, war ich fröhlich. Aber als es hieß, dass wir auswandern, fühlte es sich hier sehr schwer an“, antwortet Daniel und fasst sich ans Herz. So sollen sich die Schüler in die Lage von Auswanderer- und Flüchtlingskinder versetzen.

Ein weiteres Ziel der Projkettage: Die Kinder sollen lernen, vor andere hinzustehen und sich auszudrücken, erklärt Baumann. Je früher man damit anfange, desto selbstbewusster würden die Kinder.

23.05.2017 Fremd, allein und nicht daheim

Die Uraufführung des Musicals „Von Träumen und Menschen“ am Samstagabend in der Kleinkunstbühne K3 war ein bewegendes Mutmach-Theater für Kinder und Erwachsene. Winterlingen, 23.05.2017 von Ulrike Zimmermann

Die Zuschauer in der ausverkauften Kleinkunstbühne verfolgten gespannt die Geschichte über die schwierige Situation von Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich in einem fremden Land einleben müssen, wie man ihnen dort mit Misstrauen und Angst, aber auch mit Neugierde begegnet.

Die Idee zum Stück kam von den kleinen Darstellern selbst, umgesetzt wurde sie von der Leiterin der Gruppe, Evelin Nolle-Rieder, und mit musikalischer Begleitung von Maria Mößlang. Beeindruckend waren erneut die vom K 3-Team gefertigen Kulissen, die dem ernsten Thema Bildhaftigkeit verleihen.

Trotzdem kam der Humor in dem Musical mit mitreißenden Liedern nicht zu kurz, vor allem deshalb, weil die typischen schwäbischen Eigenschaften der Bewohner im Ländle und ihr Dialekt zum Schmunzeln verführten. Da den Kindern oft jede Vorstellung vom Krieg fehlt, wurde auf einen heftigen Sturm als Metapher zurückgegriffen, der eine kleine Insel im Ozean komplett verwüstet, auf der die Menschen wie in einem Paradies gelebt haben. Nach der Naturkatastrophe ist dort ist kein Leben mehr möglich. Völlig verängstigt steigen die Flüchtlinge in ein kleines Holzboot um ein neues Zuhause zu suchen.

Wohin geht die Reise? Was wird sie erwarten? Deutschland will die Flüchtlinge aufnehmen. Auch ein kleines schwäbisches Städtle soll einigen von ihnen die ersten Schritte im neuen Land erleichtern. Als die Nachricht den Bürgermeister erreicht, ist der wenig erfreut.

Aber die Anordnung aus dem Regierungspräsidium duldet keinen Widerspruch. In aller Eile wird ein kleines Häuschen am Stadtrand vorbereitet. Und dann stehen die sechs Flüchtlinge vor der Rathaustür und niemand versteht sie. Trotz der bedrückenden Enge in dem kleinen Haus sind diese froh, einen sicheren Ort zu haben, aber glücklich sind sie nicht. Das extra für die Aufführung geschriebene Lied: „Fremd, ich fühl‘ mich so allein. Fremd, da bin ich nicht daheim“ trifft mitten ins Herz.

Nur langsam gelingt eine Annäherung. Erst als ein kleiner Kobold, der sich gerade zur Fee umschulen lässt, seinen Zauberstab schwingt und den Menschen im Städtle die gleichen Träume schickt, geht ihnen ein Licht auf. Durch den Alptraum merken sie, wie schlimm es ist, wenn man sich nicht verständigen kann: „Fremd sein, das ist gar nicht cool“. Bewohner und Flüchtlinge beginnen Brücken zu schlagen, um zueinander zu finden. Am Schluss erkennt sogar der Bürgermeister bei einem gemeinsamen Fest, dass er zu viele Vorurteile hatte.

Die Botschaft kam beim begeistert applaudierenden Publikum an: Für eine funktionierende Gemeinschaft ist es wichtig Andersartigkeit anzunehmen und das Bewusstsein für Neues zu öffnen und zu erweitern.

Das Musical „Von Träumen und Menschen“ mit dem aktuellen Hintergrund ist eine ganz besonders anerkennenswerte Leistung der vier- bis elfjährigen Theaterknirpse. Seit dem vergangenen Jahr wurde experimentiert und improvisiert. Immer wieder waren es die Impulse der Kinder, aus denen sich ein gemeinsames Spiel zu dem Thema entwickelte, das vor allem den kleinsten Theaterknirpsen sehr viel Konzentration und Mitarbeit abverlangte.

Evelin Nolle-Rieder bündelte die kreativen Energien und unter ihrer professionellen Leitung wuchsen die Kinder über sich hinaus. Nach der Premiere gab es wie im richtigen Theater eine Feier, bei der es bei einem liebevoll zusammengestellten Büfett viel zu erzählen gab.

 

16.05.2017 Winterlinger vertreten das Land in Berlin

Winterlingen/Berlin. Fünf Amateurbühnen aus Baden– Württemberg hatte der Bundesverband Deutscher Amateurtheater aus Anlass seines 125-jährigen Bestehens zu einem großen Theaterfestival auf der Internationalen Gartenschau (IGA) in Berlin eingeladen – eine davon war die Winterlinger Kleinkunstbühne K3 mit ihrem Straßentheaterstück „Schiller meets Street-Art“.

Früh am Morgen hatten die jungen Mimen Sarah Schiebel, Anna Nolle, Josef Lorenz, Carolina Godoy, Stefanie Anders, Fiona Buhl und Hanna Klein in Begleitung von zwei Erwachsenen in Ebingen den Zug bestiegen – viele Stunden später waren sie in der Hauptstadt, nahmen Quartier in der Jugendherberge Berlin-Ostkreuz und fuhren dann – es war bereits später Nachmittag – zur Spandauer Zitadelle am anderen Ende der Stadt. Misslicherweise spielte das Wetter nicht mit, und daher mussten verschiedene Freilicht-Aufführungen abgesagt werden.

Die K3-Truppe war am nächsten Tag an der Reihe, und da war das Wetter besser. An die 30 Ensembles aus ganz Deutschland zeigten am „Tag des Theaters“, wie vielseitig Amateurtheater sein kann; zwischen den eigenen Auftritten blieb genügend Zeit, um den anderen Gruppen zuzuschauen, und da alle Festivalteilnehmer in derselben Jugendherberge untergebracht waren, ergaben sich recht zwanglos Begegnungen und Bekanntschaften. Die Winterlinger Jugendlichen führten dreimal ihr kleines Straßentheaterstück auf und unterhielten zwischendurch mit Walk-Acts in ihren farbenfrohen  “Morphsuits“ die kleinen und großen Besucher der Gartenschau.

Von Berlin selbst bekamen sie allerdings nicht viel sehen; zu sehr waren sie durch das Theaterspielen in Anspruch genommen. Lediglich für eine kurze Stippvisite am Brandenburger Tor reichte die Zeit nach dem letzten Auftritt noch – außerdem war die Truppe müde und hungrig. Auch auf der Heimfahrt am nächsten Tag wurde viel gedöst; so anstrengend war Berlin gewesen. Und doch waren sich alle einig: War schon cool, das machen wir irgendwann wieder.

 

 

Theater-Projekt- Woche der Grundschule Harthausen

Unter dem Titel „Mach mal Theater“ haben die Kinder der Grundschule Harthausen vom 29.05. bis zum 02.06. ein Stationentheater mit dem Titel „Schöne Heimat- fremde Heimat“ entwickelt.

Alle  Schüler waren in verschiedenen Gruppen vor und hinter der Bühne an der Produktion beteiligt und deckten die Bereiche Schauspiel, Gesang, Musik, Bühnenbild, Kostüme und Presse ab.

So konnte wirklich jedes Kind in die Aufführung eingebunden werden.

Die Generalprobe konnte noch wie geplant als Stationentheater in der Ortschaft rund um den Ortskern geprobt werden, doch dann zwang  uns das Wetter zu improvisieren. Innerhalb einer knappen Stunde wurde das Schulhaus so umgestaltet, dass wir alle geprobten Szenen im Schulhaus spielen und die Zuschauer in Gruppen wie geplant zu den einzelnen Stationen geführt werden konnten. Die Kinder haben diese Veränderung des Spielortes super gemeistert und die zahlreichen Zuschauer mit den Ergebnissen dieser Theaterwoche tief beeindruckt.

12.01.2017 „Junge K3-Schauspieler reisen nach Berlin“

Vergnügen für die ganze Familie war beim K3-Weihnachtstheater 2016 mit „Urmel aus dem Eis“ garantiert. Winterlingen, 12.01.2017 von Ulrike Zimmermann

 

Junge K3-Schauspieler reisen nach Berlin

Der Bund Deutscher Amateurtheater feiert am 12. Mai sein 125-jähriges Bestehen in der Hauptstadt. Die Kleinkunstbühne K3 ist bei der Internationalen Gartenausstellung mit dabei.

Unter dem Motto „Kultur macht stark“ wird das Jubiläum die wohl längste Theaterparty in der Geschichte Berlins. Von Freilichttheater über Straßentheater, Improtheater bis zu Workshops und Podiumsdiskussionen spiegeln 125 Tage die lebendige Vielfalt des Amateurtheaters wider. Ein Höhepunkt im Jahresprogramm ist die Internationale Gartenausstellung in Marzahn-Hellersdorf am Samstag, 13. Mai, mit dem „Tag des Amateurtheaters“.

Und das Besondere: Auch die Jugendlichen der Kleinkunstbühne K3 aus Winterlingen sind mit von der Partie. Die Kleinkunstbühne K3 ist eine von fünf Amateurbühnen aus ganz Baden-Württemberg, die sich zu diesem Event beworben hat und eingeladen wurde. Bereits in diesem Monat starten die Vorbereitungen mit den Jugendlichen, die im vergangenen Jahr sehr erfolgreich „Urmel aus dem Eis“ aufgeführt und jedes Mal für ein volles Haus in der Kleinkunstbühne K3 gesorgt haben.

Unter der Regie von Evelin Nolle-Rieder werden die jungen Amateurschauspieler ein kurzes Straßentheaterstück entwickeln, mit dem sie auf der Internationalen Gartenschau auftreten. Nur so viel: Friedrich Schiller soll darin vorkommen und moderne Theater- und Ausdrucksformen. Vermutlich werden die Jugendlichen wieder mit den Morphsuits (Ganzkörperanzüge) arbeiten.

Thema wird Schillers Satz über das Theater sein: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Die Idee entstand, nachdem die Hauptdarstellerin in „Urmel aus dem Eis“, Anna Nolle, mit ihrer Freundin im Sommer in den Morphsuits in Balingen einfach mal rumprobiert hat. Über den Verlauf der Proben für das große Berlin-Event werden wir berichten.

12.12.2016 „Neuer Glanz für alte Meisterstücke“

Die Winterlinger Theaterknirpse zeigten Ausschnitte aus dem „Lied von der Glocke“ und „Der Handschuh“ . Evelin Nolle-Rieder gab dem edlen Fräulein Kunigunde, die von ihrem Ritter einen Liebesbeweis forderte, ein Gesicht. Pfiffig nahm Ritter Delorges mit kecker Hand den Handschuh aus der Ungeheuer Mitte. Winterlingen, 12.12.2016 von Ulrike Zimmermann

 

Neuer Glanz für alte Meisterstücke

Nicht nur für Literaturkenner: Mit der Premiere „Alte Balladen – geflügelte Worte“ landete die Kleinkunstbühne K3 am Samstagabend einen Volltreffer.

Über 200 Jahre sind nach dem Balladenjahr 1797 vergangen, in dem Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller ihre bekanntesten Werke im Wettstreit miteinander schrieben. Balladen stecken voller spannender Geschichten mit immer noch aktuellen Themen wie Mut und Ehre, Leidenschaft, Liebe und wahre Freundschaft. Nur wie finden die Menschen heute Zugang dazu?

Die Kleinkunstbühne K3 hat den Versuch gestartet, den alten Meisterstücken neuen Glanz einzuhauchen. Gemeinsam gingen elf Theaterknirpse mit Klaus Volk, Eleonora Cuirar und Evelin Nolle-Rieder auf eine fesselnde Reise in die Literaturgeschichte. Für die musikalische Umrahmung sorgte Sarah Schiebel aus Winterlingen am Klavier.

Nicht nur Goethe und Schiller widmeten sich dieser literarischen Gattung voller alltäglicher Begebenheiten und großer Heldentaten. Auch der Tübinger Dichter Ludwig Uhland (1787 – 1862) hat uns noch jede Menge zu sagen, vor allem natürlich den Schwaben. Aus seiner Heldenballade „Der wackere Schwabe“, stammen die geflügelten Worte: „Der wackre Schwabe forcht‘ sich nit“. Die Literaturforscher sind sich bis heute nicht einig: Hat Uhland den Kreuzzug von Kaiser Friedrich Barbarossa, bei dem dieser ertrank, tatsächlich bitterernst genommen, oder hat er die grauslichen Geschehnisse satirisch-augenzwinkernd zu Gunsten aller wackren Schwaben überhöht?

Klaus Volk verwandelte sich in den wagemutigen Schwaben, der bei dem Kreuzzug 50 türkische Reiter in die Flucht schlägt, indem er einen von ihnen mit einem Säbelhieb in zwei Teile spaltet, er schlüpft in die Rolle des Tyrannen Dyonisius in Schillers „Die Bürgschaft“ oder taucht als mutiger Knappe in die Tiefen des Strudels bei „Der Taucher“.

Aber es ging auch witzig zu. In der Ballade „Der Reiter und der Bodensee“ von Gustavs Schwab überzeugte Eleonora Cuirar als entsetzte junge Frau, die dem einsamen Reiter erklärt, dass er gerade über den gefrorenen Bodensee geritten ist und dass es ein Wunder sei, dass er überlebt habe. Die Zwischenbemerkungen der Kinder riefen allgemeines Schmunzeln hervor. „Ja, mit Navi wäre das nicht passiert.“

Sichtlichen Spaß hatten die K3-Theaterknirpse bei ihren Aufführungen. Vergessen die vielen Proben und das Einstudieren der Texte. Eine Ballade zu lesen macht nur halb so viel Spaß, wie sie zu spielen. Mit roten Wangen und Lampenfieber verwandelten sie gemeinsam eifrig den Besen in Goethes „Zauberlehrling“ in einen Knecht, der Wasser holen muss. Am Anfang klappt alles wunderbar, dann aber hört der dumme Besen nicht auf und der Zauberlehrling droht zu ertrinken. „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los“. Mit Evelin Nolle-Rieder tauchten sie tief in die mystische Welt vom „Erlkönig“ ein. „Erlkönig“ oder doch lieber „König Erl“ von Heinz Erhardt, die witzige Variante auf acht Zeilen verkürzt? Der Schluss ist auf alle Fälle weniger grausam: „Erreicht den Hof mit Müh und Not, der Knabe lebt, das Pferd ist tot“. Und die schwäbische Variante brachte dann als Abschluss alle zum Lachen.

14.11.2016 „Im Eisberg steckt ein Urmel“

Ein Spaß für die ganze Familie war die Premiere von „Urmel aus dem Eis“auf der Bühne des K3. Winterlingen, 14.11.2016 von Ulrike Zimmermann

Die Kinder kreischten vor Vergnügen. Ab in die Karibik, wo auf der Insel Titiwu unter Palmen der schrullige Professor Tibaton (Josef Lorenz) mit seinem Adoptivsohn Tim Tintenklecks (Paul Briese) lebt, Urmelforschung betreibt und den Tieren das Sprechen beibringt.

Leider klappt das nicht ganz, denn jedes hat einen kleinen Sprachfehler. Nur Hausschwein Wutz (Hanna Klein) nicht. Sie setzt höchstens ein „öff“ hinzu, wenn sie empört Atem holen muss.

Und damit auf Titiwu nicht nur das Chaos regiert, hat die pink gestylte Schweinedame Wutz das resolute Regime über Tibatongs Haushalt und die kleine Schulgemeinde mit Schuhschnabel Schusch (Gunda Bodmer), dem grünen Kriechtier Waran Wara (Lisann Kromer) mit seiner coolen Muschel, Pinguin Ping (Stefanie Anders), der ganz neidisch auf Waran Wara ist und auch gern einmal in einer solchen „pfönen Mupfel“ wohnen möchte, und Seele-Fant (Markus Klein) übernommen.

Der Dauerbrenner der Augsburger Puppenkiste kam als Musical in Frank Pinkus Bühnenfassung, unter der musikalischen Leitung von Maria Mößlang und in einer liebevollen Inszenierung mit viel Witz von Evelin Nolle-Rieder auf die wunderschön dekorierte Bühne des K 3 und erwärmte alle Herzen.

Lustige Tiercharaktere mit Eigenschaften, die Kindern gut vertraut sind, Spannung trotz leicht verständlicher Handlung und ein bisschen Musik – auch wenn es vor allem „trauröge Löder“ von Riesenfellbär Seele-Fant sind, die gefühlvoll von Anton Roggenstein am Piano begleitet werden.

Eines Tages kommt Schwung in die Südseeidylle: In einem angeschwemmten Eisberg steckt ein riesiges Ei und daraus schlüpft nach dem gemeinsamen Ausbrüten ein seltsames Urzeitwesen – ein Urmel (Anna Nolle).

Was für eine Sensation! Von dem Tag an ist alles anders. Kaum auf der Welt, bringt es alles und alle durcheinander. Dann aber macht Tibaton einen schwerwiegenden Fehler. Per Flaschenpost informiert der Professor seinen Erzfeind (Zoodirektor Zwengelmann) über diese spektakuläre Entdeckung und das Unheil nimmt seinen Lauf. Denn der Zoodirektor informiert König Pumponell (Leo Schlagenhauf zum ersten Mal auf der Bühne) über den seltsamen Fund.

Der fliegt sofort auf die Insel, um das Urmel zu fangen. Aber seine Majestät hat die Rechnung ohne Titiwus Tiere und seine Inselbewohner gemacht.

Waran Wara versteckt das Urmel in einer Höhle. Spannend, fröhlich, turbulent und interaktiv ist das Stück angelegt. Bis zum Happy End, denn König Pumponell wird nach seiner Rettung aus der eingeschlossenen Höhle zum Pazifisten und wirft sein Gewehr in den Fluss. Beim finalen Lied „Ende gut, alles gut!“ kann sogar auch der Seele-Fant endlich lächeln und alle Zuschauer klatschten begeistert mit.

17.10.2016 „Wir sind doch nur Freunde“

Mit ihrem schauspielerischen Kraftakt begeistern Gunda Bodmer als Anna sowie Markus Klein als Klaus das Publikum in Winterlingens Kleinkunstoase K3. Die Fragen nach Treue und den graduellen Entwicklungen von Freundschaft stehen dabei im Vordergrund. Winterlingen, 17.10.2016 von Ulrike Zimmermann

„Wir sind doch nur Freunde“

Können Männer und Frauen nur Freunde sein? Die Komödie von Frank Pinkus „Die besten Tage meines Lebens“ geht der Sache auf den Grund.

Über ein Jahr dauerten die Proben zu dem Zwei-Personen-Stück mit den Amateurschauspielern Gunda Bodmer (Anna) und Markus Klein (Klaus) unter der Regie von Evelin Nolle-Rieder. Am Samstag war Premiere in der Kleinkunstbühne K3.

Was kann passieren, wenn sich die Wege von zwei Menschen, die gegensätzlicher kaum sein könnten, immer wieder kreuzen? Beide sind seit Jahren verheiratet, allerdings nicht miteinander. Aber sie wurden zusammen gesehen und müssen jetzt ihren fiktiven Ehepartnern Rede und Antwort stehen. Diese finden das gar nicht witzig und vermuten eine Affäre.

„Wir sind doch nur Freunde“ beteuern beide und wollen die Verdächtigungen einer erotischen Beziehung aus dem Weg räumen. In einer Rückschau erzählen sie die Katastrophen zufälligen Begegnungen.

Gemocht haben sie sich am Anfang gar nicht. Schon bei der Einschulung prallen zwei Welten aufeinander: die freche Anna und der unsichere Klaus. Und so ist der Geschlechterkrieg eröffnet. Klaus darf zwar die Klasse wechseln, aber trotzdem treffen sie sich in ihrer kleinen Stadt immer wieder. Sie haben sich gequält und gehasst.

In Annas linker Antiregierungsphase ist sie bei einem Überfall auf eine Bundeswehrkaserne beteiligt. Ausgerechnet Klaus hat Wachdienst und wird von ihr gefesselt und soll nackt auf den Marktbrunnen gestellt werden. Sirenen retten ihn und Anna löst schnell die Fesseln. Auf die Polizei wartet sie vergebens. Nachdenklich registriert sie, dass Klaus sie nicht verpfiffen hat.

Das Geschehen bedarf kaum Requisiten, dafür sind die Schauspieler gefordert. Nicht nur textmäßig, sondern sie müssen sich auch laufend umziehen und in andere Rollen schlüpfen. Urkomisch ist Markus Klein als beschwipster Klaus am Abend vor seiner Hochzeit in einer Kneipe.

Dass Anna dort als „entführte Braut“ sitzt, kann schon fast kein Zufall mehr sein. Beide ahnen es wohl schon – da ist viel mehr Nähe. Mary Hopkins Song „Those were the days my friend“ untermalt die Rückblenden liebevoll und melancholisch.

Auch als Verheiratete treffen sie sich wieder, dann aber schon geplant, jede Woche auf dem Spielplatz. Klaus steht sogar für Anna, die sich bei einer Kunstausstellung beteiligen will, Model – Aktmodell. Immer noch versichern beide, dass nichts geschehen sei. Anna: „Quatsch, er ist nicht mein Liebhaber, er ist ein Freund …“, und Klaus: „Warum soll ich keinen weiblichen Freund haben?“

Doch Mimik und Gestik der beiden spiegeln längst das Erkennen der unvermuteten Gefühle wider. Der frühere Unmut weicht zärtlichen Blicken und Komplimenten. Beide erkennen für sich im Stillen, dass die Begegnungen mit dem anderen die „besten Tage ihres Lebens waren“. Das unvermeidliche Happy-End gehört zum Genre.

Klaus und Anna verlassen ihre Partner und wollen in Zukunft mehr als „nur Freunde“ sein. Das begeisterte Publikum, das immer wieder spontan die Slapstick-Szenen mit viel Applaus honorierte, konnte nach der Aufführung bei der Premierenfeier mit den beiden Schauspielern plaudern und in lockerere Atmosphäre einen witzigen und unterhaltsamen Abend ausklingen lassen.

Neuigkeiten Januar 2017

THEATERWERKSTATT SCHWÄBISCHE ALB am LTT

 

Als Landestheater bespielt das LTT regelmäßig Gastspielorte im ländlichen Raum. Mit der THEATERWERKSTATT probieren die Theatermacher aus Tübingen nun etwas ganz Neues aus:

Sie initiieren gemeinsame Projekte von Künstlern mit Kultureinrichtungen, Schulen, Vereinen und Bürger*innen  – direkt vor Ort auf der Schwäbischen Alb. Dazu bringen sie Künstler von außerhalb mit interessierten Menschen aus der jeweiligen Gemeinde zusammen. Am Anfang steht also kein fertiges Konzept, sondern ein Kennenlernen. Bei der Entwicklung und Umsetzung des Projekts spielen die Besonderheiten und die Geschichte(n) des Ortes und die Ideen der beteiligten Akteure eine große Rolle. Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Prozess; das Ergebnis ist offen und kann eine Theateraufführung, eine Ausstellung, ein Film oder etwas ganz anderes sein.

 

Was bisher geschah: „Video-Hike Winterlingen“

 

Zusammen mit über 150 Beteiligten aus Winterlingen und Umgebung hat der Autor und Regisseur Tobias Rausch die Smartphone-App Video-Hike Winterlingen entwickelt. Der Video-Hike ist eine ganz besondere Wanderung, ein digitales Kunstprojekt, das Orte, Menschen und ihre Geschichten sinnlich und informativ erlebbar macht. Seit dem 9. Oktober 2016 ist die App kostenlos erhältlich. Mehr Infos hier. http://www.video-hike-winterlingen.de/

 

 

 

Aktuell: „Paradiesische Zeiten“ in Winterlingen

 

Ein junges Künstlerteam um Jeffrey Döring hat sich hier bei uns in Winterlingen einquartiert und ist dabei unter dem Titel „Paradiesische Zeiten“ mehrere kleine Kunst- und Begegnungsformate umzusetzen. Die Künstler beschäftigen sich mit Migrationsbewegungen seit dem 19. Jahrhundert – und laden alle Interessierten ein, sich zu beteiligen. Dazu haben sie ein leerstehendes Ladenlokal im Ortskern umgestaltet, das in als temporäres Büro, Anlaufstelle und Veranstaltungsort dient.

Das „Eden“ befindet sich gegenüber dem Rathaus im ehemaligen Weltladen. Seit November finden regelmäßig Kinoabende(freitags 19:00Uhr) und Lesungen(mittwochs19:00) dort statt.

 

Projektautorin Maja Das Gupta

Die Berliner Autorin Maja Das Gupta war von November bis Dezember 2016 in Albstadt, Winterlingen und Umgebung unterwegs, um „Albkulturen“ zu erforschen, eine Hörspielwerkstatt für Jugendliche durchzuführen und die Arbeit der THEATERWERKSTATT schreibend zu begleiten. Ihre Eindrücke teilte sie wöchentlich im Zollern-Alb-Kurier und regelmäßig auf dem Blog https://albkulturen.wordpress.com/. Im März kehrt Maja Das Gupta zurück auf die Alb – mehr Infos dazu bald.

 

 

125 Jahre BDAT  

Der Bund Deutscher Amateurtheater feiert sein 125- jähriges Bestehen und wir sind dabei!!!!

Als eine von 5 Bühnen aus ganz Baden- Württemberg haben wir die Zusage bekommen mit einem Straßentheater- Projekt in Berlin bei den Feierlichkeiten auftreten zu dürfen.

Die Idee ist, dass Amateurtheaterspieler aus ganz Deutschland in die Gründungsstadt des Bund Deutscher Amateurtheater pilgern und dort ein Wochenende lang das außerberufliche Theater präsentieren und feiern. Am Freitag, den 12.05.2017 begrüßt Kulturstaatsministerin Monika Grütters in der Zitadelle Spandau die angereisten Gruppen und Gäste mit einem großen Fest. Am Samstag den 13.05.2017 findet auf der Internationalen Gartenausstellung in Berlin auf Plätzen und Bühnen der „Tag des Amateurtheaters“ statt. Hier sollen Gruppen und Künstler aus ganz Deutschland und den Partnerländern die Vielfalt und Breite des Theaters präsentieren.

Die Ausführung

Gesucht wurden alle Genres des Amateurtheaters.

Bevorzugt: Freilichttheater, Stationentheater, Straßentheater, Puppen- und Figurentheater, Akrobatik, Performances, Puppenspiel – sprich: Alles, was unter freiem Himmel ohne technische Ausstattung möglich ist.

Dauer der Produktionen/ Präsentationen: Ideal – 15 Minuten! Maximal 30 Minuten, es wird mehrmals am Tag gespielt!!!!!

Technische Anforderungen sind minimal zu halten, es gibt KEINE Technik vor Ort!!!! (Kein Licht, kein Ton, meistens auch keinen Strom!!!)

Die Förderung

Der LABW suchte aus den Bewerbern fünf Produktionen aus, die mit jeweils 2.000 Euro gefördert werden. Die Fördermittel beinhalten auch die Reise- und Übernachtungskosten in Berlin. Eine Jugendherberge wurde hier zu Sonderkonditionen bereits vorgebucht, um die Reisekosten gering zu halten.

Und wir sind dabei! Wir hatten uns mit einer kurzen Projektskizze beworben und freuen uns riesig zu den Auserwählten zu gehören.

Natürlich werden wir unser Straßentheater ab April in den Innenstädten der Umgebung ausprobieren, denn auch das gehörte mit zu unserem Konzept: dass wir davor, hier in der Gegend, bereits Erfahrungen und vor allem Geld mit den Auftritten sammeln. Denn 2000,-€ für eine Reise nach Berlin für ca. 10-12 Leute ist nicht viel Geld….

Wer also ab April „pinke Männchen“ und „Friedrich Schiller“ in den Fußgängerzonen entdeckt, der weiß, das ist die Theater-Kids- Gruppe der Kleinkunstbühne K3 😉

08.07.16 Video-Hike Winterlingen: Tankstelle wird zum Tanzclub

In der Tankstelle am Winterlinger Ortsende kehrt für kurze Zeit wieder Leben ein.Nebenan erfüllt sich der Wusch einer jungen Winterlingerin, die von einem großen Kleidergeschäft träumt. In seinem künstlerischen Projekt „Video-Hike Winterlingen“setzt sich Regisseur Tobias Rausch (Mitte im Bild unten rechts) mit dem Strukturwandelauf der Alb auseinander. Unterstützung gibt’s von Laienschauspielern.
alle Fotos von Olga Haug. Winterlingen, 08.07.2016 von Olga Haug

Video-Hike Winterlingen:
Tankstelle wird zum Tanzclub – Leere Räume künstlerisch mit Wünschen der Bürger füllen

Auf der Wunschliste der Winterlinger stehen unter anderem ein Tanzlokal und ein großes Kleidergeschäft. Diese Wünsche erfüllt Regisseur Rausch – im Rahmen des Projekts „Video-Hike Winterlingen“.

Regisseur Tobias Rausch gibt letzte Anweisungen, dann fällt die Klappe und die Kamera läuft. Der Drehort: Die ehemalige Tankstelle am Winterlinger Ortsende. Die leeren Räume werden wieder mit Leben gefüllt. Durch das Schaufenster des einstigen Verkaufsraumes sieht man einen Mann im schicken blauen Anzug, der von Kindern in Fußballtrikots mit Rosenblüten beworfen wird.

Nebenan erwacht im leeren Geräteraum ein Tanzlokal zum Leben. Es ertönt schwungvoller Rock ’n‘ Roll, durch die matten Scheiben erkennt man bunte Discolichter und tanzende Silhouetten. Im Gebäude rechts leuchtet der Schriftzug New Yorker entgegen.

Verantwortlich für die skurrilen Szenen sind der Berliner Regisseur und Autor Tobias Rausch und sein Team, das von zwei Filmemachern der Filmakademie Baden-Württemberg aus Ludwigsburg unterstützt wird. Das Projekt, das im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Tübingen (LTT ) erfolgt, soll den Strukturwandel auf der Schwäbischen Alb thematisieren.

Sechs Kurzfilme an sechs Drehorten sind geplant, die in einem sogenannten Video-Hike (Video-Wanderung) per GPS-gesteuerter APP aufgesucht werden können. Wer vor die Tankstelle tritt, sieht leere Räume hinter verschlossenen Glastüren. Leblos und trist wirkt der Ort, der einst eine zentrale Funktion hatte. Öffnet man das dazugehörige Video, zeigt sich hingegen eine völlig andere Szenerie – die Wirklichkeit wird künstlerisch überschrieben.

In seiner vorhergegangenen Recherche erfragte Rausch, was sich die Winterlinger für die Zukunft wünschen und was ihnen in ihrer Gemeinde fehlt. Rausch erhielt unterschiedliche Antworten: Mustafa Noori beispielsweise wünscht sich, zu heiraten und Fußball zu spielen. Prompt wurde er Teil des Laienschauspielteams und verkörpert in der Szene seine eigenen Wünsche. Noori ist nämlich jener Mann im blauen Anzug, der im Video von Kindern in Fußballtrikots mit Rosenblättern beworfen wird.

 Eine Bürgerin wünscht sich ein Tanzlokal, in dem Rock ’n‘ Roll gespielt wird, erzählt Franziska Weber, künstlerische Produktionsleiterin vom LTT. Und einer Jugendlichen fehlt ein Laden, in dem sie mit ihren Freundinnen ausgiebig shoppen kann. Die Tankstelle mit den angrenzenden Räumen wird also zu einem Ort, der auf künstlerischer Ebene mit Wünschen der Winterlinger bespielt wird. Zugleich wird ein entscheidender Faktor des Strukturwandels aufgezeigt: Leerstand.

Der Dreh sei stressig, sagt Rausch im Vorbeigehen. Das sei ein völlig anders Arbeiten wie am Theater, das er eigentlich gewöhnt ist. Dennoch hat der Regisseur augenscheinlich alles unter Kontrolle und hat nach jedem Dreh nur lobende Worte für seine Schauspieler übrig.

 

Die Akteure sind allesamt Laien: Kinder und Jugendliche vom Winterlinger Kleinkunsttheater K3, Lydia Pfaff, die eine Schicksalsgöttin verkörpert, und zwei Tübinger Studenten. Michael Kahl-Adams spielt am LTT und kam so in Berührung mit dem Pilotprojekt. Er und Kommilitonin Lucia Windhoff sind in Sachen Rock ’n‘ Roll auch nur Laien, lassen sich das im Video aber nicht anmerken.

Das Glücken des Projekts hängt allein von der Unterstützung und der Begeisterung der Freiwilligen ab, sagt Rausch. Neben der Kleinkunstbühne sind auch beispielsweise Chöre, Musikvereine, die Vetterzunft oder die Grund- und Werkrealschule dabei.

Der nächste Drehort wird draußen in der Natur sein. Schafe sind das Thema. Schafe, die es nach Einschätzung des Regisseurs auf der Alb nur noch wenige gibt, oder zumindest die Wanderschäfer. Ebenso ein Thema, das Rausch unter dem Oberbegriff Strukturwandel behandeln will.

Anfangs nannte er sein Projekt noch „Die Schafe sind weg“. Doch der Verlust der Wanderschäferei sei nur ein Aspekt des Strukturwandels. Zudem sei dies kein guter Name für eine App. „Video-Hike Winterlingen“ nennt sich das Projekt nun – der Einfachheit halber. Ab dem 9. Oktober soll die Applikation für Smartphones und Tablets frei erhältlich sein.

 

02.05.16 Musical „Musika“ im K 3: wie Musik das Leben verändert..

Einfach nur „Musika“: So heißt das Musical von Manfred Mai und Martin Lenz, dem sich Winterlinger Realschüler auf der Bühne des K3 widmen. Foto: Desiree Dietsche.
Winterlingen, 02.05.2016 von Desiree Dietsche

Musical „Musika“ im K 3: wie Musik das Leben verändert – Mit mehr Selbstbewusstsein zurück auf Erden

 

Junge Menschen gehen mit Hilfe der Musik neue Wege. Das ist die Botschaft des Musicals Musika von Manfred Mai und Martin Lenz. Winterlinger Realschüler führten es auf der Kleinkunstbühne K3 auf.

Wenn zwei Winterlinger ein Musical schreiben würden, müsse es auch in Winterlingen auf die Bühne gebracht werden – mit diesen Worten begrüßte Schriftsteller Manfred Mai das gut 100 Köpfe starke Publikum im Saal der Kleinkunstbühne K3. Rund 25 Schüler der Realschule Winterlingen wagten sich gemeinsam mit Musiklehrerin Maria Mößlang und der Spielleitung des K3, Evelin Nolle-Rieder, an dieses Projekt. Nach gut sieben Monaten Vorbereitung, die Manfred Mai stets überwachte, erfolgte am Samstagabend die Uraufführung des humorvollen Musicals mit tiefsinnigem Kern.

Die Hauptcharaktere, gespielt von Schülern der sechsten bis neunten Klasse, stellen durchweg junge Menschen dar, die es nicht leicht haben. Sie werden gemobbt, sind zu verwöhnt, verhalten sich aggressiv oder dürfen ihre Träume nicht verwirklichen, weil die Eltern kein offenes Ohr für sie haben. In Soli stellen sie sich und ihre Sorgen vor. Hilfe naht in Form eines Ufos, das sie eines Nachts alle abholt und zum Planeten Musika bringt. Dort entdeckt jeder für sich sein besonderes Talent, sei es Klavier spielen oder rappen. Manfred Mai übernimmt die kleine Rolle eines Lehrers, über dessen Atemübungen die jungen Leute bald die Augen verdrehen. Mit neuem Selbstbewusstsein und neuen Freunden kehren sie zurück in ihren Alltag auf der Erde und bringen ihr Umfeld zum Staunen mit ihrem musikalischen Können und ihrer veränderten Haltung.

Im Interview erzählten Manfred Mai und Martin Lenz, dass „Musika“ zunächst nur ein Buch werden sollte. Dann seien jedoch Lieder dazugekommen und sie hätten beschlossen, es nicht bei „totem“ Papier zu belassen, sondern zu inspirieren mit der realen Aufführung des Werkes und seiner Botschaft. Martin Lenz betont, dass er selbst im frühen Kindesalter schon von der Musik fasziniert gewesen sei und sie immer als etwas Verbindendes zwischen Menschen angesehen habe. Auch Evelin Nolle-Rieder zeigte sich begeistert von der Entwicklung der jungen Schauspieler über die Zeit der Proben hinweg.

07.12.15 der kleine Kerl

Paul Briese als kleiner Kerl vom anderen Stern (links) freut sich über die Hilfe der bunten Papageien am Strand. Aber leider ist das große Straußenei, das sie ihm bringen, auch nicht sein Raumschiff und er muss weiter suchen. Foto: Ulrike Zimmermann. Winterlingen, 07.12.2015

K3: Knirpse beeindrucken Publikum mit Weltraumgeschichte

Ausverkaufte Premiere – Blauer Held mit grünem Schopf

Die Premiere der K3-Theaterknirpse mit „Der kleine Kerl vom anderen Stern“ begeisterte Jung und Alt mit seiner Botschaft: Mut, Vertrauen in das Fremde, Hilfsbereitschaft und Wille zur Verständigung.

von Ulrike Zimmermann 

Rechtzeitig zum Nikolaustag startete das Weihnachtstheater in K3, diesmal mit den Theaterknirpsen.

Es ist beeindruckend, wie viel Text sich selbst Vorschulkinder schon merken können und wie erfrischend frei und ohne Hemmungen sie sich auf der Bühne bewegen. Lampenfieber bei der Premiere am Sonntagnachmittag? Nicht beim Hauptdarsteller Paul Briese aus Bitz, der schon im vergangenen Jahr beim Weihnachtsstück in K3 als Rabe Jakob zu begeistern wusste. Erst seit zwei Jahren bei den Theaterknirpsen dabei, hat sich der pfiffige Zehnjährige zu einem richtigen kleinen Star gemausert.

Souverän wie ein alter Hase schlüpft er in die Rolle des kleinen Außerirdischen, der auf der Erde notlanden musste und sein Raumschiff verloren hat. Eine Augenweide ist der blaue Held mit seinem grünem Schopf und den wippenden Antennen auf dem Kopf. Aber er findet sich nicht zurecht auf der Erde. Wie wichtig und schön es ist, wenn man Hilfe bekommt. Die schrullige Affenbande im Urwald, Fische und die schwatzhaften Papageien am Strand helfen ihm bei seiner Suche. Leider wissen sie alle nicht so recht, wie so ein Raumschiff wirklich aussieht und so dauert es eine Weile bis es der kleine Außerirdische mit Hilfe der freundlichen Geier endlich findet, auftankt und wieder nach Hause fliegen kann.

Viele Rollen mussten doppelt besetzt werden – eine große Herausforderung für die elf Theaterknirpse zwischen fünf und zehn Jahren, doch die Begeisterung war allen Akteuren ins Gesicht geschrieben. Sie tanzten, sangen und schauspielerten unbefangen gemeinsam auf der Bühne. Zwischen den Dialogen gab es passende Lieder zu den Szenen, die zusehends lauter und selbstbewusster und gefühlvoll am Klavier von Detlef Siber begleitet wurden. So bunt und lebendig wie das Musical selbst sind die fantasievollen Kostüme aus der privaten Schneiderstube von Gertrud Hagg und die passende Wandkulisse gab der spannenden Aufführung den letzten Schliff.

Froh und sehr stolz verbeugten sich die Kinder nach der Vorstellung vor dem applaudierendem Publikum und ebenso stolzen Angehörigen. Schauspielerin und Spielleiterin Evelin Nolle-Rieder kann nicht weniger stolz die Früchte ihrer kontinuierlichen pädagogischen Arbeit ernten.

Info: In diesem Jahr wird das Musical noch am 12., 13. und 19. Dezember in der Kleinkunstbühne gespielt. Außerdem gibt es am 20. Dezember eine Aufführung speziell für Kindergärten. Beginn ist jeweils um 14.30 Uhr.