23.05.2017 Fremd, allein und nicht daheim

Die Uraufführung des Musicals „Von Träumen und Menschen“ am Samstagabend in der Kleinkunstbühne K3 war ein bewegendes Mutmach-Theater für Kinder und Erwachsene. Winterlingen, 23.05.2017 von Ulrike Zimmermann

Die Zuschauer in der ausverkauften Kleinkunstbühne verfolgten gespannt die Geschichte über die schwierige Situation von Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich in einem fremden Land einleben müssen, wie man ihnen dort mit Misstrauen und Angst, aber auch mit Neugierde begegnet.

Die Idee zum Stück kam von den kleinen Darstellern selbst, umgesetzt wurde sie von der Leiterin der Gruppe, Evelin Nolle-Rieder, und mit musikalischer Begleitung von Maria Mößlang. Beeindruckend waren erneut die vom K 3-Team gefertigen Kulissen, die dem ernsten Thema Bildhaftigkeit verleihen.

Trotzdem kam der Humor in dem Musical mit mitreißenden Liedern nicht zu kurz, vor allem deshalb, weil die typischen schwäbischen Eigenschaften der Bewohner im Ländle und ihr Dialekt zum Schmunzeln verführten. Da den Kindern oft jede Vorstellung vom Krieg fehlt, wurde auf einen heftigen Sturm als Metapher zurückgegriffen, der eine kleine Insel im Ozean komplett verwüstet, auf der die Menschen wie in einem Paradies gelebt haben. Nach der Naturkatastrophe ist dort ist kein Leben mehr möglich. Völlig verängstigt steigen die Flüchtlinge in ein kleines Holzboot um ein neues Zuhause zu suchen.

Wohin geht die Reise? Was wird sie erwarten? Deutschland will die Flüchtlinge aufnehmen. Auch ein kleines schwäbisches Städtle soll einigen von ihnen die ersten Schritte im neuen Land erleichtern. Als die Nachricht den Bürgermeister erreicht, ist der wenig erfreut.

Aber die Anordnung aus dem Regierungspräsidium duldet keinen Widerspruch. In aller Eile wird ein kleines Häuschen am Stadtrand vorbereitet. Und dann stehen die sechs Flüchtlinge vor der Rathaustür und niemand versteht sie. Trotz der bedrückenden Enge in dem kleinen Haus sind diese froh, einen sicheren Ort zu haben, aber glücklich sind sie nicht. Das extra für die Aufführung geschriebene Lied: „Fremd, ich fühl‘ mich so allein. Fremd, da bin ich nicht daheim“ trifft mitten ins Herz.

Nur langsam gelingt eine Annäherung. Erst als ein kleiner Kobold, der sich gerade zur Fee umschulen lässt, seinen Zauberstab schwingt und den Menschen im Städtle die gleichen Träume schickt, geht ihnen ein Licht auf. Durch den Alptraum merken sie, wie schlimm es ist, wenn man sich nicht verständigen kann: „Fremd sein, das ist gar nicht cool“. Bewohner und Flüchtlinge beginnen Brücken zu schlagen, um zueinander zu finden. Am Schluss erkennt sogar der Bürgermeister bei einem gemeinsamen Fest, dass er zu viele Vorurteile hatte.

Die Botschaft kam beim begeistert applaudierenden Publikum an: Für eine funktionierende Gemeinschaft ist es wichtig Andersartigkeit anzunehmen und das Bewusstsein für Neues zu öffnen und zu erweitern.

Das Musical „Von Träumen und Menschen“ mit dem aktuellen Hintergrund ist eine ganz besonders anerkennenswerte Leistung der vier- bis elfjährigen Theaterknirpse. Seit dem vergangenen Jahr wurde experimentiert und improvisiert. Immer wieder waren es die Impulse der Kinder, aus denen sich ein gemeinsames Spiel zu dem Thema entwickelte, das vor allem den kleinsten Theaterknirpsen sehr viel Konzentration und Mitarbeit abverlangte.

Evelin Nolle-Rieder bündelte die kreativen Energien und unter ihrer professionellen Leitung wuchsen die Kinder über sich hinaus. Nach der Premiere gab es wie im richtigen Theater eine Feier, bei der es bei einem liebevoll zusammengestellten Büfett viel zu erzählen gab.

 

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